Auf unseren Spaziergängen oder auch im Training seh ich immer wieder Hunde, die im direkten Kontakt mit anderen Hunden fiddeln. Und die Besitzer sagen dann voller Überzeugung, mein Hund spielt halt gerne.
Ja, es ist richtig, dass es Hunde gibt, die tatsächlich gerne spielen, selbst mit neuen neuen Hundebekanntschaften. Mein erster Aussie Jason war so ein Hund, der andere sehr gut einschätzen konnte und das Spiel mit passenden Hunden, die sich auch an hündische Spielregeln gehalten haben, sehr genossen hat. Deswegen brauchte er auch wenig Unterstützung von mir. Ganz im Gegensatz zu Shadow und Lenny.
So fühlte sich Shadow in Hundebegegnungen lange unsicher und ging ins Flight (Flucht) wenn ein freilaufender Hund kam (zum Glück meistens zu mir hin). Auch Begegnungen mit Menschen waren ihm lange unangenehm und er hätte sie am liebsten durch Angriff in die Flucht (Fight) geschlagen. Inzwischen hat er gelernt, dass er fremde Menschen ignorieren kann und anderen Hunden kurz Hallo sagen kann, wenn er möchte. Lenny hingegen zeigte gerade zu Beginn sehr viel Fiddelverhalten, wenn er einem fremden Hund begegnete, weshalb er da noch viel Unterstützung und Management brauchte.
Hier heisst es als Besitzer also genau hinzuschauen, um zu sehen, was dein oder der andere Hund gerade macht.
DARAN KANNST DU ERKENNEN OB HUNDE FIDDELN ODER SPIELEN
Denn auch wenn sich die Signale und Verhalten der Hunde beim Spiel und Fiddeln ähneln, sind die Unterschiede beim genauen Hinschauen doch deutlich zu erkennen.
Fiddelnde Hunde zeigen eine hohe Bewegungsintensität und können selbst dann ihr Verhalten nicht stoppen, wenn der andere Hund deutliches Unwohlsein oder Abwehrverhalten zeigt. Sehr oft verstärkt dies lediglich ihren inneren Konflikt noch zusätzlich und führt zu noch mehr Erregung aber auch Stress- und Übersprungsverhalten. Auch sind immer häufiger Calmingsignals zu sehen. Und auch zur aktiven Demut kann es in diesen Begegnungen kommen.
| FIDDLE ABOUT | IM SPIEL | |
![]() |
![]() | |
| Bewegungen | Die Bewegungen sind hektisch und schnell |
Die Bewegungen sind weich und rund |
| Bewegungsrichtung | Mehrheitlich nach oben/vorne und in Richtung des Gegenübers. Aber auch ausweichend und abwehrend | Mehrheitlich einladende, auffordernde Gesten nach unten/weg vom Gegenüber |
| Beteiligte | Meist geht einer immer wieder aktiv auf den anderen zu, während der andere ausweicht oder abwehrt | Alle machen freiwillig mit und jeder kann die Interaktion anfangen und beenden |
| Erregung | Die Erregung ist von Beginn an hoch und es finden kaum Pausen statt |
Die Erregung ist tief und Pausen sorgen dafür, dass es so bleibt |
| Mimik | Die Hunde zeigen immer wieder Stressgesichter, die auf uns oft wie ein Lachen wirken | Die Hunde zeigen Spielgesichter, die gerne mal gefährlich aussehen, weil die Mäuler weit offen und alle Zähne zu sehen sind |
| Körpertonus | Die Muskeln sind angespannt | Die Muskeln sind locker und weich |
| Reaktionen | Es sind Abwehr-, Angriffs- und Fluchtverhalten zu erkennen | Die Einladungen werden mit übertriebenen Handlungen aus div. Funktionskreisen beantwortet |
| Signale | Die Hunde zeigen Stresssignale und auch Calming Signals sind zu erkennen | Es sind viele Spielsignale zu sehen |
| Stoppsignale | Diese und andere Signale des Gegenübers werden missachtet | Es wird Rücksicht auf die Signale des Gegenübers genommen |
| Vorderkörpertiefstellung | Diese sind zu sehen, aber aus Verunsicherung und als schnelle Reaktionsmöglichkeit | Dient mehrheitlich der Spieleinleitung und der Deeskalation im Spiel |
| Sonstiges | Es sind so gut wie keine Pausen zu sehen. Beim Rennen sind die Körper gestreckt und der Verfolgte klemmt den Schwanz ein | Es kommt immer wieder zu kurzen Pausen, die Rollen von Verfolger und Verfolgtem können wechseln, beim Rennen sind die Körper weich und die Bewegungen frei und locker |
.
Fiddle kann sowohl von Hunden gezeigt werden, die zum anderen Hund hingegangen sind als auch vom Hund, der ungewollt in deine Begegnungssituation gekommen ist.
Selbstverständlich kann es auch in einem Spiel zu konfliktträchtigen Situationen kommen, in denen Stress- und Calming Signals zu sehen sind. Dann aber sorgen Pausen sowie Spiel- und deeskalierende Signale dafür, dass sich alle wieder wohl fühlen. Dazu aber mehr in den Artikeln zum hündischen Spiel.
.
SIGNALE, DIE SOWOHL IM SPIEL ALS AUCH BEIM FIDDELN ZU SEHEN SIND
Die Mimik
So ähnlich und doch mit deutlichen Unterschieden:


Hier findest du weitere Beispiele zur Mimik
.H
Die Vorderkörpertiefstellung
Sowohl im Spiel, als auch beim Fiddle sind immer wieder Vorderkörpertiefstellungen zu sehen, die sich auf den ersten Blick sehr ähneln.


Hier findest du weitere Beispiele und Informationen zur Vorderkörpertiefstellung
.
WESHALB FIDDELT EIN HUND
Fiddle about, auch Flirt genannt, ist eine der vier Bewältigungsstrategien, auf die jedes Lebewesen bei einem Konflikt zurückgreifen kann. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um eine Bedrohung handelt (real oder befürchtet) oder sich derjenige in einer stressigen oder überfordernden Situationen befindet.
Dabei müssen es nicht immer grosse Konflikte sein, manchmal reicht es schon, sich zwischen zwei Möglichkeiten entscheiden zu müssen: Weiter schnüffeln oder auf das Rückrufsignal zu reagieren, in die Pfütze setzen oder das Signal seines Menschen zu ignorieren.
Schon etwas grössere Konflikte für viele Hunde sind zum Beispiel: Direkt auf den anderen Hund zugehen zu müssen, weil er an der Leine ist oder etwas tun zu müssen, dass ihm unangenehm ist.
Ein Hund, dessen Lösungsstrategie das Fiddeln ist, wird in diesen Situationen welpiges, spielähnliches Verhalten zeigen. Ähnlich dem Menschen, der versucht eine unangenehme Situation durch Sprüche zu überspielen. Für seinen Menschen sieht es dann so aus, als ob er zum anderen Hund hin möchte oder dass ihn der Hund „verarschen möchte“, weil er das Signal ja genau verstanden hat.
Sie übersehen dabei, dass ihr Hund dieses Verhalten aus Überforderung zeigt und reagieren entsprechend wirsch, was beim Hund meist zu noch mehr fiddelnden Verhalten führt. Oder aber er wechselt die Strategie und zeigt eine Scheinattacke gegenüber dem anderen Hund oder zeigt vermeintlich schuldiges Verhalten gegenüber seinem Menschen.
.
FIDDELNDE HUNDE

Erkennst du wie sich das Verhalten und die Signale im Verlaufe der Begegnung verändern? Und welche Rolle die Erregung dabei spielt?
Das nebenstehende Video zeigt drei unterschiedlichen Begegnungssituationen, bei denen fiddeln zu sehen ist.
In der ersten Begegnung überspielt der Hund seine Unsicherheit.
Bei der zweiten ist es eine nettere Variante um Nein zu sagen, bevor es zu Abwehrverhalten kommt
Und in der dritten findet sich eine Mischform zwischen Neugier und Distanz wollen.
FIDDELN UND ÜBERSPRUNGSVERHALTEN AUCH IN ANDEREN ZUSAMMENHÄNGEN
Fiddeln tritt nicht nur in Hundebegegnungen auf sondern auch in vielen anderen Situationen und Begegnungen in denen sich dein Hund unwohl oder überfordert fühlt. Deshalb schau genau hin, wenn dein Hund das nächste Mal „vor Freude“ an Menschen hochspringt, in die Leine beisst oder über Tisch und Stühle rennt.
Denn ganz oft ist dies ein Zeichen, dass er gerade überfordert ist, beziehungsweise war und dies nun durch Fiddeln und/oder Übersprungsverhalten kompensiert.
.
Die weiteren Konfliktsignale: Fight, Flight, Fiddeln und Freeze
Das Spielverhalten unserer Hunde: https://teamschule.blog/spiel-oder-nicht-spiel/
© 2021 Teamschule (überarbeitet 2024) – Monika Oberli












Sehr schöner Artikel, den ich leider erst heute gelesen habe. Unser Hund verhält sich auch uns gegenüber so, wenn er in einem Konflikt steht – das kommt auch manchmal (für uns) aus der Kalten.
Er überdreht dann, springt uns an und schnappt auch. Auch zeigt er die Vorderkörpertiefstellung in der Situation und das Erregungslevel ist ziemlich hoch. Durch das springen und schnappen ist es schwer, ruhig zu bleiben. Aber ich möchte ihn auch nicht bestrafen, wenn er sich gerade in einem Konflikt befindet. Wie kann ich ihn aus der Situation wieder raus holen ?
LikeLike
Liebe Jasmin
Ich finde es toll, dass ihr erkannt habt, dass eurer Hund dies nicht böse meint, sondern in einem Konflikt steckt. Und es ist absolut richtig, dass eine Strafe hier, wie auch sonst, nicht richtig ist. Damit würdet ihr seinen Konflikt nur verstärken. Er braucht viel mehr eure Unterstützung und einen guten Weg aus diesem Konflikt. Am Besten wäre es, wenn ihr ihm helfen könnt, bevor die Erregung schon so hoch ist wie du es beschreibst. Dann lernt er nicht nur besser, er lernt auch keine Verhaltenskette (erst hochfahren, um sich dann wieder zu beruhigen).
Ich empfehle euch, die Situationen mit einer positiv arbeitenden Trainerin anzuschauen, die euch die Signale eures Hundes zeigt, sn denen ihr erkennt wann er Hilfe braucht. Ich mache das auch sehr gerne Online mit Videos auf denen man sich das Ganze sehr genau anschauen kann und keine Veränderung durch meine Anwesenheit erfolgt.
Solltest du noch Fragen haben, schreibe mir sonst auch gerne an info@teamschule.ch.
Liebe Grüsse Monika
LikeLike
Pingback: Die 4F der Konfliktstrategien | TeamSchule - Mensch und Hund
Pingback: Hochspringen beim Begrüssen | TeamSchule - Mensch und Hund
Pingback: Aktive und passive Demut | TeamSchule - Mensch und Hund
Pingback: Vorderkörper-Tiefstellung | TeamSchule - Mensch und Hund