Dein Hund braucht 1’000 Wiederholungen

…um ein neues Signal oder Verhalten zu erlernen

Bestimmt hast du das auch schon gehört und bist erschrocken. Denn wie sollst du das zeitlich schaffen?
Erst recht, wenn du dir überlegst, was du deinem Hund alles beibringen möchtest.

Aber keine Angst. Damit ist nicht gemeint, dass dein Hund 1’000 gleichbleibende Wiederholungen braucht. Im Gegenteil, je abwechslungsreicher euer Training ist, desto mehr Spass macht es euch Beiden und desto eher wird dein Hund dich auch verstehen. Achte dich aber trotz aller Abwechslung auf die folgenden Punkte:

  • Leg als erstes ein klares Trainingsziel fest (oft hilft es, sich im Kopf das entsprechende Bild auszumalen)
  • Unterteil dieses Trainingsziel in möglichst kleine Teilschritte
  • Bleib bei einem Trainingsschritt, bis dein Hund diesen 3 Mal hintereinander sicher kann
  • Erschwere beim nächsten Trainingsschritt immer nur ein einzelnes Kriterium
  • Belohne hochwertig und bedürfnisgerecht
  • Erwarte im Alltag nicht mehr als was ihr bereits sicher geübt habt
  • Nutze Management-Massnahmen für alle Situationen, die deinen Hund (oder auch dich) noch überfordern

Ablenkung.jpg

DEIN HUND HAT EIN ANDERES BILD

Du hast mit deinem Hund auf dem Hundeplatz bestimmt schon 100-mal den Rückruf geübt und ihn für sein Kommen auch immer belohnt. Auch auf dem Spaziergang rufst du ihn immer mal wieder zu dir und belohnst ihn mit einem Keks. Das klappt so toll. Aber leider nur solange wie ihr alleine seid.
Denn kaum sieht er am Ende des Weges einen anderen Hund, ist er weg und deine Pfiffe verhallen im Nichts. Du bist enttäuscht, denn du weisst, dass er deine Pfiffe gehört hat und dass dein Hund weiss, dass er darauf zurückkommen soll. Aber weiss er das wirklich? Oder sieht das Bild deines Hundes vielleicht so aus:

Ich bin mit meinem Menschen unterwegs und weit und breit ist Niemand zu sehen. Ab und zu pfeift er ganz laut in so ein komisches Ding. Da weiss ich, es gibt gleich einen Keks und laufe so schnell ich kann zu ihm. Manchmal pfeift er aber auch, wenn in der Ferne ein Hund oder ein Jogger auftaucht. Da  bin ich aber so fest abgelenkt, dass ich den Pfiff nur am Rande und ganz leise wahrnehme… auf die Art sagt mir der Ton aber nichts.

Und auch in der Hundeschule mit anderen Hunden haben wir das ganz anders gelernt. Hier hat mich mein Mensch erst absitzen lassen. Dann ist er weggelaufen, hat sich umgedreht und gepfiffen. Und weil ich schon ganz gespannt darauf gewartet habe, bin ich blitzschnell zu ihm gerannt. Da haben mich die anderen Hunde überhaupt nicht interessiert.

Du siehst, so wie du es mit ihm geübt hast, so sieht auch sein Bild aus. Und wenn du das Zurückkommen dann gleich  in einer der schwierigsten Situationen verlangst, hat er praktisch keine Chance, richtig zu reagieren.

STEIGERE DIE ANFORDERUNGEN LANGSAM

Damit hast du auch schon die Lösung. Nein, nicht indem du jetzt einfach in ein Hundeauslaufgebiet gehst und ihn dort 100 mal abrufst. So funktioniert das nicht. Denn wie gross ist die Chance, dass er dabei jedes Mal kommt?

Deshalb hier ein paar Ideen wie du den Rückruf langsam steigern kannst. Rufe ihn überraschend: 

  1. bevor er das Grasbüschel erreicht, an dem er gerade riechen will
  2. während er an einem Grasbüschel riecht
  3. sobald er einen Hund/Menschen/Katze in einer für ihn guten Distanz sieht
  4. von einem ausgelegten Spieli (Keks) ab
  5. von einem geworfenen Spieli (Keks) ab
  6. aus einer ruhigen Hundebegegnung ab
  7. während andere Hunde in eurer Nähe spielen
  8. während er mit anderen Hunden spielt

nn.        du nimmst eine Begleitung mit auf den Spaziergang und beginnst wieder mit der Nr. 1

Ergänze diese Liste um Situationen die es deinem Hund schwerer machen, auf deinen Rückruf zu reagieren

Tipp: Ordne anschliessend diese Liste nach Schwierigkeitsgrad und häng sie an deinen Kühlschrank. Nun nimmst du dir die leichteste dieser Ablenkungen vor und übst sie auf eurem Spaziergang während 2 bis 3 Tagen jeweils 10 mal an unterschiedlichen Orten.
Wenn du merkst, dass dies perfekt klappt, nimmst du die nächsten Ablenkung und gehst genau gleich vor. Das macht dir nicht nur dein Training leichter, jeder Hacken hinter einer Ablenkung ist auch ein tolles Erfolgserlebnis
.

Das was hier anhand des Rückrufs beschrieben ist, gilt selbstverständlich für Alles was du deinem Hund beibringen möchtest. Und vergleiche euch auch nicht mit anderen Hundeteams. Denn während dem einen Hund der Rückruf schwer fällt, ist es für den nächsten vielleicht das „alleine zu Haus zu bleiben“.

BELOHNUNG – HOCHWERTIG, BEDÜRFNIS- UND SITUATIONSGERECHT

Nur eine Belohnung, die dein Hund in dem Moment auch wirklich möchte, wird ihn darin bestärken, das erwünschte Verhalten gerne und zuverlässig zu zeigen.

  • Konntest du deinen Hund von einem Eichhörnchen oder Katze in der Ferne abrufen, biete ihm eine Jagd nach Keksen oder ein kleines Jagdspiel mit dir an
  • Wollte er gerade etwas fressen, dann biete ihm was Leckeres zum Fressen an (in den seltensten Fällen ist dies ein trockener Keks)

Tipp: Ergänze deine Liste der Ablenkungen jeweils um 2 Belohnungen, die dazu passen wie Abruf aus dem Spiel mit anderen Hunden – Zurückschicken ins Spiel oder Spiel mit dir / Abruf von Katzensichtung – einem geworfenem Spieli/geworfenem Leckerchen nachrennen oder Zerrspiel mit dir / Abruf vom Schnüffeln am Mäuseloch  – wieder zurückschicken oder ausgestreute Leckerchen erschnüffeln lassen. Weitere Ideen findest du hier 

Belohne ihn immer hochwertig! Dann bleibt die Motivation deines Hundes hoch, auch bei der nächsten Schwierigkeitsstufe das Gewünschte zu tun.

BLEIB NICHT ZU LANGE BEI EINEM SCHRITT

Denn wenn du etwas zu lange immer auf die gleiche Art übst, wird sich genau diese Ausführung bei deinem Hund einprägen und er wird nicht verstehen, wenn du nun etwas änderst. Das liegt aber nicht daran, dass dein Hund dumm ist, sondern dass du es ihm genau so beigebracht hast.
Wenn du zig Mal das Sitz neben dir verlangt hast, kann dein Hund nicht verstehen, dass er sich nun auf das gleiche Signal nicht bei dir sondern 2 Meter von dir entfernt hinsetzen soll.

SEI PRÄZISE IN DEINEN SIGNALEN

Je präziser du in deinen Gestiken und deiner Signalgebung bist, desto leichter fällt es deinem Hund, dich zu verstehen. Sehr oft sagen wir mit unserem Körper dem Hund ganz was anderes als mit unserer Stimme: Wir sagen komm, unser Körper durch die frontale Ausrichtung jedoch Stopp“.

Aber auch sonst noch viele andere Zeichen beteiligt wie zum Beispiel wie du stehst, dein Blick, deine Handbewegung…. Daneben nimmt dein Hund aber auch  wahr, wo ihr seid, was du anhast und vieles Andere mehr. Deshalb, wie sicher bist du, dass dein Hund auch wirklich auf das von dir gedachte Signal reagiert?

Tipp: Filme dich doch mal während du deinem Hund das gewohnte Sitzsignal gibst. Und schau dir anschliessend an, welche Bewegungen du sonst noch bei dir im Gesicht und am Körper siehst. In meinen Stunden gibt es da immer wieder grosse Aha-Erlebnisse, weil die Teilnehmer merken, dass ihr Hund oft auf ganz andere Signale reagiert als ihnen bewusst war.

Deshalb muss auch dein Hund erst einmal herausfinden, was denn nun das eigentliche Signal ist. Und schon sind wir wieder bei unseren 1’000 Wiederholungen, bei denen nach und nach all die unwesentlichen Dinge veränderst oder ganz weglässt und nur dein eigentliches Signal immer gleich bliebt. Dies ist auch unter dem Fachbegriff „Generalisieren“ bekannt.

ÜBERFODERE DEINEN HUND NICHT

Übe immer nur solange und so weit wie dein Hund dir noch folgen mag. Und nutze in noch zu schwierigen Situationen Management-Massennahmen wie eine lange Leine auf dem Spaziergang oder geh hinter eine Hecke, wenn das Kreuzen mit anderen Hunden noch nicht geht. 

Achte dich im Alltag aber auch darauf, von deinem Hund nur so viel zu verlangen, wie ihr an diesem Ort und bei dieser Ablenkung schon trainiert habt. Und erwarte auch nur jene Ausführung eines Signals, welche du mit deinem Hund bereits geübt hast.

Und du wirst sehen, dein Hund lernt viel erfolgreicher.

(c) 2019 (Überarbeitet 2021) TeamSchule – Monika Oberli

2 Gedanken zu “Dein Hund braucht 1’000 Wiederholungen

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