Dein Hund braucht 1’000 Wiederholungen

…um ein neues Signal oder Verhalten zu erlernen

Bestimmt hast du das auch schon gehört und bist erschrocken. Denn wie sollst du das zeitlich schaffen?
Erst recht, wenn du dir überlegst, was du deinem Hund alles beibringen möchtest.

Aber keine Angst. Damit ist nicht gemeint, dass dein Hund 1’000 gleichbleibende Wiederholungen braucht. Im Gegenteil, je abwechslungsreicher euer Training ist, desto mehr Spass macht es euch Beiden und desto eher wird dein Hund dich auch verstehen. Achte aber trotz aller Abwechslung auf die folgenden Punkte:

Ablenkung.jpg
  • Leg fest was dein Trainingsziel ist
  • Halte fest, wo ihr steht und was du als nächstes mit deinem Hund üben möchtest
  • Leg das Kriterium fest, auf das du beim heutigen Training achten wirst
  • Nutze Belohnungen, die zu den Anforderungen und Bedürfnissen deines Hundes passt
  • Erwarte im Alltag nur das, was du mit deinem Hund bereits geübt hast
  • Nutze Management-Massnahmen dort, wo ihr im Training noch nicht so weit seid

Und erinnere dich während des Übens immer wieder an diese Punkte. Und bedenke: Dein Hund kennt weder dein Trainingsziel noch das heutige Kriterium. Deshalb überlege dir vor Beginn des Trainings, wie du es deinem Hund „erklären“ wirst, damit er möglichst fehlerfrei lernen kann.

Dazu kommt erschwerend hinzu, dass dein Bild von dem was ihr geübt habt, nicht zwingend identisch mit dem deines Hundes sein muss.

DEIN HUND HAT EIN ANDERES BILD

Schauen wir uns dies anhand des Rückrufs doch einmal genauer an.

Du hast unterwegs und in der Hundeschule schon zig fach den Rückruf geübt und dein Hund ist auch meist freudig und schnell zu dir gekommen. Aber kaum sieht er einen anderen Hund am Ende des Weges scheint alles vergessen zu sein. Er reagiert weder auf deine Pfiffe noch auf dein Stoppsignal. Du bist enttäuscht, denn du weisst, dass er deine Pfiffe gehört hat und dass er weiss, was diese bedeuten.

Aber weiss er das wirklich? Oder sieht das Bild deines Hundes vielleicht so aus:

Ich bin mit meinem Menschen unterwegs und weit und breit ist Niemand zu sehen.
Ab und zu pfeift er ganz laut in so ein komisches Ding. Da weiss ich, es gibt gleich einen Keks und laufe so schnell ich kann zu ihm.

Und auch in der Hundeschule musste ich mich hinsetzen und warten, während mein Mensch weggegangen ist. Und weil ich wusste, dass er gleich wieder das Ding benutzen wird, sobald er sich umdreht, habe ich brav gewartet und bin dann wie der Blitz zu ihm geflitzt – das find ich richtig toll. Da haben mich die anderen Hunde überhaupt nicht interessiert, zumal ich die ja schon kannte.

Du siehst, so wie du es mit ihm geübt hast, so sieht auch sein Bild aus. Zudem wird er die Pfeife bei Ablenkung ganz anders wahrnehmen als in den Übungssituationen und auch die Lautstärke verändertt sich bei grösserer Distanz. Im Training hat er den Pfiff jedoch immer gleich gehört, so dass ihm der leise nichts sagt.

ÜBE DIE AUFGABE IN UNTERSCHIEDLICHEN SITUATIONEN UND ABLENKUNGEN

Damit hast du auch schon die Lösung, du musst ein Signal und das dazugehörige Verhalten möglichst oft an unterschiedlichen Orten und mit steigender Ablenkung üben und vorallem auch so, dass es dein Hund nicht erwartet. Hier ein paar Ideen für die steigenden Anforderungen beim Rückrufsignal.

Mögliche Ablenkungen, die du ab Schritt 6 nutzen kannst, um den Rückruf zu üben:

  • Dein Hund riecht an einem Grasbüschel
  • Er läuft zu einem ausgelegten Ball/Spieli
  • Er läuft zu einem geworfenen Ball/Spieli
  • Er sieht einen Reiz in grosser Distanz *
  • Er beobachtet spielende Hunde in grosser Distanz
  • Er spielt mit einem bekannten Hund
  • Er sieht eine Katze
  • Er läuft zu einem bekannten Menschen

Schwerer wird das Ganze noch einmal, wenn du in Begleitung unterwegs bist, erst ohne später mit einem anderem Hund. Beginne dann auch wieder mit leichteren Ablenkungssituationen daneben.

SCHREIB DEINE EIGENE LISTE

  • Ergänze die obige Liste um Situationen, die es deinem Hund schwerer machen, auf deinen Rückruf zu reagieren
  • Ordne nun deine Liste nach Schwierigkeitsgrad und schreibe auch die passende Belohnung dazu
    (wie Abruf aus dem Spiel mit anderen Hunden – Zurückschicken ins Spiel oder Spiel mit dir / Abruf von Katzensichtung – es gibt ein geworfenes Spieli / Abruf vom Schnüffeln am Mäuseloch  – wieder zurückschicken oder ausgestreute Leckerchen erschnüffeln lassen. Weitere Ideen findest du hier 
  • Häng deine Liste an den Kühlschrank. Zur Erinnerung, wo ihr ihm Training steht und was du heute üben könntest
  • Nun nimmst du die erste Ablenkung von der Liste und übst den Rückruf auf eurem Spaziergang während 2 bis 3 Tagen jeweils 10 mal an unterschiedlichen Orten
  • Sobald eine Ablenkung sicher klappt, gibt es einen Hacken dahinter und du nimmst dir die nächste vor

Das macht dir nicht nur dein Training leichter, jeder Hacken hinter einer Ablenkung ist auch ein tolles Erfolgserlebnis.

Und nutze deinen Rückruf im Alltag erst, wenn du sicher bist, dass du es deinem Hund schon für die Situation beigebracht hast. Für alle anderen nimm ihn an die Leine.

BELOHNUNG – HOCHWERTIG, BEDÜRFNIS- UND SITUATIONSGERECHT

Nur wenn dein Hund eine Belohnung bekommt, die ihn für das Zurückkommen von einer tollen Ablenkung entschädigt, wird er auch das nächste Mal wieder gerne zu dir zurückkommen.

  • Konntest du deinen Hund von einem Eichhörnchen oder Katze in der Ferne abrufen, biete ihm eine Jagd nach Keksen oder ein kleines Jagdspiel mit dir an
  • Wollte er gerade etwas fressen, dann biete ihm was Leckeres zum Fressen an oder fliegende Kekse

Belohne ihn während des Trainings auf jeder Stufe hochwertig! Dann kommt dein Hund auch im Ernstfall zurück, selbst wenn du dann nicht die passende Belohnung dabei hast.

BLEIB NICHT ZU LANGE BEI EINEM SCHRITT HÄNGEN

Wenn du etwas zu lange immer auf die gleiche Art übst, wird sich genau diese Ausführung bei deinem Hund einprägen und er wird erstaunt sein, wenn du plötzlich etwas änderst: Wenn du zig Mal das Sitz neben dir verlangt hast, kann dein Hund nicht verstehen, dass er sich auf das gleiche Signal plötzlich 2 Meter von dir entfernt hinsetzen soll.

Das liegt aber nicht daran, dass dein Hund dumm ist, sondern dass du es ihm genau so beigebracht hast.

SEI PRÄZISE IN DEINEN SIGNALEN

Je präziser du in deinen Gestiken und deiner Signalgebung bist, desto leichter fällt es deinem Hund, dich zu verstehen. Sehr oft sagt unser Körper dem Hund ganz was als mit unserer Stimme: Wir rufen unseren Hund zu uns, unser Körper sagt durch die frontale Ausrichtung jedoch Stopp“.

Die Körperhaltung ist aber nur das eine. Daneben achtet der Hund auch auf unseren Blicke und Handbewegungen aber auch auf den Ort wo wir trainieren, unsere Kleidung und vieles andere mehr.

Willst du sicher sein, worauf dein Hund reagiert, dann filme dich einmal während du zum Beispiel dein gewohntes Sitzsignal gibst. Und achte anschliessend im Video drauf, was du bei dir im Gesicht und an Körper noch siehst und lass diese das nächste Mal bewusst weg, welche du nicht als Signal möchtest.

UND DESHALB BRAUCHT DEIN HUND 1’000 WIEDERHOLUNGEN

Du siehst, dein Hund muss nicht nur lernen, in vielen unterschiedlichen Situationen auf deine Signale zu reagieren. Er muss dabei auch noch herausfinden, welches deiner Zeichen, das effektive Signal ist, auf das er reagieren soll. Diesen Prozess kennst du vielleicht unter dem Begriff generalisieren.

ÜBERFODERE DEINEN HUND NICHT

Übe immer nur solange und nur die Schritte, die dein Hund es gut und gerne schafft.

Achte dich im Alltag aber auch darauf, von deinem Hund nur so viel zu verlangen, wie ihr schon trainiert habt. Und erwarte auch nur jene Ausführung eines Signals, welche du mit deinem Hund bereits geübt hast.

Und du wirst sehen, dein Hund lernt viel erfolgreicher.

(c) 2019 (Überarbeitet 2021) TeamSchule – Monika Oberli

2 Gedanken zu “Dein Hund braucht 1’000 Wiederholungen

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