Enrichment und Empowerment

Beide machen das Leben für deinen Hund lebenswerter!

Begegnet sind mir diese Begriffe das erste Mal vor vielen Jahren im Rahmen meiner Informatik-Ausbildung. Zu der Zeit begann man sich immer mehr Gedanken darüber zu machen, wie Jobs für die Menschen interessanter gestaltet und gleichzeitig Mitarbeiter gefördert werden können.

Seitdem ist eine Weile vergangen und Enrichment längst auch in der Tierwelt angekommen. Eines der bekanntesten Beispiele ist sicherlich das Beschäftigungsangebot für Zootiere, mit dem ihnen der sonst wenig abwechslungsreiche Alltag etwas bunter gestaltet wird. Die meisten dieser Aktivitäten richten sich nach den natürlichen Bedürfnissen der Tiere, wie zum Beispiel die Futtersuche und -erbeutung oder auch die Auseinandersetzung mit neuen Gegenständen, die zum Erkunden und Spielen anregen. Und ja, es gibt auch Tiershows. Die sind aber in der Regel weniger für die Tiere als zur Belustigung der Zuschauer. Aber das soll hier nicht das Thema sein.

Auch das Beschäftigungsangebot für unsere Hunde wird immer grösser und dies nicht nur im sportlichen Bereich. Denn inzwischen gehören auch diverse Intelligenzspiele oder Schnüffel- und Suchspiele zu ihren Aktivitäten. Aber haben diese tatsächlich immer etwas mit Enrichment und Empowerment zu tun? Schauen wir uns das doch einmal im Detail an.

ENRICHMENT

Der Begriff „Enrichment“ steht für Anreicherung und Bereicherung. Oftmals noch verbunden mit Enlargement also Erweiterung. Damit ist aber nicht einfach nur irgendeine Beschäftigung gemeint oder eine, die du vielleicht bei einem anderen Hund gesehen hast und der voller Begeisterung dabei war.

Bei Enrichment geht es um deinen Hund und um seine Bedürfnisse, Interessen und Vorlieben. Deshalb sollen die angebotenen Beschäftigungen ihm auch die Möglichkeit geben, sich mit Dingen zu beschäftigen, die ihm Spass machen.

Und so wird ein energiegeladener Hund zum Beispiel mehr Freude an Aufgabenstellungen haben, bei denen er sein Köpfchen benutzen und sich gleichzeitig körperlich betätigen darf als ein Hund, der es lieber gemütlich mag.

Und nur weil der Nachbarshund den Schnüffelteppich toll findet, muss dies nicht auch zwingend für deinen Hund gelten. Dafür hat deiner vielleicht viel mehr Spass wenn er Dinge zerrupfen darf. Deshalb schau genau hin, welche Verhalten und Beschäftigungen dein Hund von sich aus wählen würde und was er gerne tut.

Du kannst dir aber auch überlegen, welche Bedürfnisse im Alltag deines Hundes etwas zu kurz kommen. Denn auch wenn unsere Hunde durch Spaziergänge und den ganz normalen Familienalltag viel mehr Abwechslung in ihrem Leben haben als Zootiere und auch mancher Hofhund, so gibt es vielleicht trotzdem das eine oder andere hündische Bedürfnis, das du ihm noch erfüllen kannst.

Die angebotenen Aktivitäten sollten dabei weder zu leicht noch zu schwer sein. Gerade wenn dein Hund noch nicht so viel Erfahrung im selbständigen Problem lösen hat, lohnt es sich, ihn langsam an die Aufgabe heranzuführen, damit kein Frust entsteht.

Bei alldem geht es auch nicht darum, deinem Hund durch diese Beschäftigungen Signale oder Verhalten beizubringen, die in erster Linie dir helfen.

Auch handelt es sich immer um Angebote, die dein Hund annehmen kann aber nicht muss. Aber natürlich kannst du auch sein Interesse an neuen Dingen wecken. Dies dann aber in seinem Tempo und ohne Erwartungshaltung, wie er sich diesen annähern soll. Denn nur dann können wir von echtem Enrichment sprechen.

Du kannst ihm aber auch gerne mal die Wahl lassen, was er heute gerne machen würde, welchen Kauartikel er gerne hätte oder wo heute eure Spazierstrecke entlang gehen soll. Damit sind wir dann beim nächsten Begriff angelangt.

EMPOWERMENT

Empowerment ermutigt den Hund, seine eigenen Stärken und Fähigkeiten zu entdecken sowie neue Fertigkeiten zu entwickeln. Dies erlaubt ihm nach und nach selbständiger zu handeln und selbstbewusster in und mit der Umwelt zu interagieren – dies alles im Rahmen seiner Möglichkeiten und Lebensumstände. So lassen sich auch Herausforderungen des Alltags leichter bewältigen und unerwartete Situationen werfen ihn nicht mehr so leicht aus der Bahn.

Die Grafik zeigt all die Dinge,
die zum Empowerment führen

Um deinen Hund zu empowern braucht es nicht viel. Oftmals reichen schon viele kleine und grössere Erfolgserlebnisse im Alltag und durch Aufgabenstellungen, die ihn zwar herausfordern aber noch gut lösbar sind. Womit wir wieder beim Enrichment und dem kleinschrittigen Aufbau wären.

Diese Erfolgserlebnisse können bei Beschäftigungen entstehen, aber auch bei jeder alltäglichen Situation, die der Hund dank guter Strategien erfolgreich bewältigen konnte.

Deshalb richte dein Training so aus, dass dein Hund gute Verhaltensstrategien lernt, auf die er dann später selbständig zurückgreifen kann. Denn das gibt Sicherheit und verhilft zu klarem Denken und Handeln auch in schwierigen Situationen.

Wenig hilfreich ist es jedoch, wenn du von deinem Hund reine Gehorsamsaufgaben verlangst. Denn ein eingefordertes Sitz oder Dich-Anschauen beinhaltet wenig Selbstwirksamkeit und ist häufig auch nicht das, was dein Hund in dem Moment wählen würde.

Und ja, am Anfang brauchen unsichere Hunde vielleicht noch etwas mehr Unterstützung indem man ihnen in schwierigen Situationen gute Alternativen aufzeigt. Aber durch einen geschickten und kleinschrittigen Übungsaufbau sollte dies nicht allzu lange nötig sein und er wird diese Alternative immer häufiger selbst wählen. Mit der Zeit wirst du so auch immer mehr Verantwortung an deinen Hund abgeben können. Denn du hast ihm geholfen, gute Lösungsstrategien zu entwickeln, die er nun selbständig nutzen kann, so dass du nur noch selten unterstützen musst.

Und wenn er sieht, dass du ihm und seinen Entscheidungen immer mehr vertraust, wächst auch sein Selbstvertrauen weiter. Erst recht wenn er spürt, dass du ihn dafür schätzt und liebst, was und wie er ist.

So wie ich es mit meinem jüngeren Aussie erlebt habe, der in seinen ersten beiden Jahren eher unsicher in Hundebegegnungen war und dadurch auch zum Mobbingopfer wurde. Durch viele kontrollierte, gute Hundebegegnungen sowie Unterstützung wo es notwendig war, konnte er diese Unsicherheit ablegen. Und heute mit 4 Jahren geht er nun unbefangen und freundlich in neue Kontakte oder weicht einfach aus, wenn er keinen möchte.

So gut sich positives Training und Unterstützung auch anfühlt, es darf nicht dazu führen, dass ein Hund ein Leben lang bei allen Entscheidungen und eigentlich bewältigbaren Situationen auf die Hilfe und die Signale seines Menschen angewiesen ist.
Das würde den Hund in einer Hilflosigkeit belassen, die sein Leben belastet. Wie weit dieses Selbständigkeit gehen wird, ist jedoch von Hund zu Hund unterschiedlich. Sicher ist aber, dass jede selbständig getroffene, gute Entscheidung zu weiterer innerer Stärke und Selbstbewusstsein führt. Und das wünschen wir uns doch alle für unseren vierbeinigen Freund an unserer Seite.

DEIN HUND BRAUCHT DICH NICHT MEHR

Keine Angst, das wird nicht geschehen. Enrichment und Empowerment motivieren zwar deinen Hund selbständiger zu handeln und er wird vielleicht auch auf dem Spaziergang weniger an deinem Rockzipfel zu hängen sondern neugierig die Umwelt erkunden.

Durch diese Selbständigkeit wirst du deinen Hund aber nicht verlieren. Im Gegenteil: In der Nähe von Jemandem, der einem vertraut und stärkt, hält man sich gerne auf und hört auch auf dessen Signale.

Zudem sorgen Enrichment und Empowerment für gute Emotionen und weniger Stress und Frustration im Leben deines Hundes. Was wiederum dazu führt, dass das Draussen sein entspannter wird. Und wenn dann noch ein fairer Umgang dazu kommt, steht einer engen Bindung die auf gegenseitigem Vertrauen beruht nichts mehr im Weg.

Selbstverständlich kannst du deinem Hund auch zwischendurch einfach etwas zur reinen Beschäftigung anbieten. Denn wie wir auch manchmal den Kopf abschalten und einfach nur geniessen wollen, geht es auch unseren Hunden.

© 2022 – Monika Oberli, Teamschule

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