Korrekturen sind doch keine Strafen!

Dies ist Fortsetzung zum Artikel: Ich korrigiere nur!

Das hast du bestimmt auch schon gehört. Oder auch: „Ich tu meinem Hund doch nicht weh“. Wer das sagt, der denkt dabei meist an Schläge, Kneifen, mit Wasser bewerfen…

Aber Strafen kommen meist sehr viel subtiler daher. Da wird mal kurz körperlich drohend blockiert, dort die Stimme erhoben oder schnell in die Flanke gegriffen, um den Hund für das gerade gezeigte Verhalten oder Nicht-Verhalten zu korrigieren.

Wenn du nicht sicher bist, was du gerade siehst: schau dir an, was der Hund nach der Aktion des Menschen macht:

  1. Reagiert der Hund offen auf die Handlung des Menschen und wendet er sich ihm gar erwartungsvoll zu?
    In dem Fall fühlt sich der Hund durch die Handlung des Menschen ohne Bedrohung unterbrochen
    .
  2. Reagiert der Hund ausweichend auf die Handlung des Menschen und zeigt er danach vielleicht ein beschwichtigendes, meidendes Verhalten?
    In dem Fall fühlt sich der Hund durch die Handlung nicht nur gestoppt, sondern auch unwohl und bedroht


Und ja, natürlich kannst du es Korrektur nennen, wenn du eingreifst, sobald dein Hund ein für dich unerwünschtes Verhalten zeigt. Du kannst aber auch sagen, ich bestrafe ihn dafür. Am Ende ist es dein Hund, der dir mit seinen Signalen zeigt, wie er sich dabei fühlt. 

Und noch ein wichtiger Unterschied:
Wo über Belohnungen trainiert wird, sorgt der Ausbildende dafür, dass der Hund belohnenswertes Verhalten zeigen kann. Und auch im Alltag wird der Hund für erwünschtes Verhalten ganz oft bestätigt, selbst wenn er dies schon längst kann. Sei es durch ein Lächeln, ein Lob, einen Keks oder ein gemeinsames Spiel.

Beim Training über Korrekturen dagegen wird der Hund bewusst in Situationen geführt, wo er Fehler machen muss, um ihm dann zu zeigen, dass dies unerwünscht ist. Die dabei benutzte Korrektur kann eine drohende Körperhaltung sein, Aber auch ein Schreckreiz oder ein lautes Geräusch, welches den Hund einschüchtern soll.

Jetzt sagst du vielleicht: „Nur belohnen geht aber auch nicht“.

Und ja, damit hast du recht. Denn auch ein positiv arbeitender Hundehalter wird nicht einfach zuschauen, wenn sein Hund etwas Gefährliches oder Unerwünschtes vorhat. In dem Fall nutzt er nach Möglichkeit ein positiv aufgebautes Unterbrechersignal oder ein sonstiges Signal, um den Hund nett zu unterbrechen, bevor es passiert. Und im Notfall wird er natürlich auch mal nach dem Hund greifen, um Schlimmeres zu verhindern.

Und auch ein rein auf positiver Belohnung basiertes Training und Alltag gibt es nicht. Aber als achtsam arbeitender Hundehalter wird er auf bewusste „positive Strafen“ verzichten

WELCHE RECHTFERTIGUNG GIBT ES FÜR KORREKTUREN/STRAFEN

Strafen sollen eine Person / ein Lebewesen für eine geplante oder begangene Tat sanktionieren. Dabei ist das Strafmass in der Regel abhängig von der Schwere der Tat.

Es gilt aber auch, dass man nur Jemanden bestrafen kann, der strafmündig und straffähig ist. Das heisst, er muss alt genug sein,  um zu verstehen und ein Unrechtsbewusstsein für die begangene Tat haben, damit er die Verantwortung für sein Handeln übernehmen kann.

Was aber ist mit unseren Hunden? Können sie verstehen, dass ihr natürliches Verhalten wie „Leinenziehen, Jagen oder andere Hunde verbellen“ unerwünscht ist, für die man bestraft werden kann?

Das Gleiche gilt für die Calming-, Stress- und Konfliktsignale.
Ist es wirklich falsch, wenn unsere Hunde an neuen Orten am Boden schnüffeln, weil sie die fremden Hunde, Menschen und sich selbst besänftigen wollen? Oder wenn sie beim Rückruf unterwegs pinkeln, um den Stress loszuwerden, welche unsere strenge Stimme und die frontale Körperhaltung bei ihnen auslöst?

Wäre es da nicht fairer, ihnen Alternativen zu den unerwünschten Verhalten zu zeigen: Lockere Leine, statt Leinenziehen, Dummy statt Katze jagen, in einem Bogen ausweichen suchen statt Hunde verbellen…? Oder sie zu unterstützen, wenn sie uns durch ihre Signale zeigen, dass sie überfordert sind, statt dieses Verhalten zu unterbrechen?

ICH KORRIGIERE DOCH NUR

Schauen wir uns den Begriff der Korrektur doch einmal genauer an. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird darunter eine Verbesserung, Berichtigung oder Richtigstellung verstanden. Was kann ich mir darunter vorstellen:

  • Verbessert werden kann eine schlecht/fehlerhaft ausgeführte Arbeit
    Dabei wird der Fehler selber oder durch eine Drittperson festgestellt  z. Bsp. ein Fehler in einem Text, einem Werkstück oder in einer Bewegung.
    Um den Fehler danach zu korrigieren muss derjenige wissen, was richtig ist
    .
  • Mit Berichtigungen/Richtigstellungen werden Dinge nachträglich durch denjenigen richtig dargestellt, der zum Beispiel eine Falschmeldung herausgegeben hat oder Vorurteile geäussert hat.

Wenn wir also unsere Hunde korrigieren, unterbrechen wir zwar ihr Tun. Sie wissen aber deswegen noch lange nicht, was richtig gewesen wäre. Und wenn sie Pech haben, machen sie danach gleich unbewusst wieder etwas Unerwünschtes.

Und damit sind wir wieder bei der Frage von oben:
Weshalb zeigen wir ihnen dann nicht einfach, was wir von ihnen wünschen, statt alle unerwünschten Verhalten über negative Einwirkungen zu unterbrechen? Das ist nicht nur viel netter sondern auch viel effektiver.

Hinzukommt, dass unsere Korrekturen meist sehr ungenau sind und wir unseren Hund vielleicht gerade in dem Moment korrigieren, wo er das Bellen stoppt und uns anschauen möchte.  Und da ist es wie beim Belohnen: der Hund wird die Korrektur auf sein letztes Verhalten beziehen.

Und Besitzer von mehreren Hunden müssen auch immer bedenken, dass bei einer Korrektur immer alle anwesenden Hunde betroffen sind. Also auch derjenige, der sich richtig verhalten hat. Und auch fremde Hunde können mit bestraft werden.

KORREKTUR VS KONDITIONIERUNG 

Allen, die von sich sagen, sie möchten lieber Korrigieren statt Konditionieren, sei gesagt, das könnt ihr nicht. Denn auch bei einer Korrektur, findet eine Konditionierung statt: der Hund reagiert auf das Verhalten des Menschen (Reiz – Reaktion). Und jedes Mal wenn nun der Reiz auftaucht, wird der Hund auch wieder entsprechend reagieren.

Und da dies in der Regel über die klassische Konditionierung erfolgt, sitzt die Reaktion nicht nur sehr tief, sondern wird sich auch auf andere Lebensbereiche auswirken. Denn wenn du dich nun eindrehst, um deinen Hund anzuschauen oder zu loben, wird er das Eindrehen als Korrektur wahrnehmen.

Und ja, ich habe genügend Hunde gesehen, die über Korrekturen gelernt haben, Verhalten nicht auszuführen. Das sind dann oft Hunde, die bei der Annäherung der Hand erst einmal zurückgehen – auch wenn diese sie streicheln will. Oder beim Eindrehen des Menschen gleich ein Meideverhalten zeigen.

Denn sie haben über Konditionierung gelernt, dass diese Bewegungen oft etwas Unangenehmes ankündigen, dem man lieber mal aus dem Weg geht.

Fragen wir doch mal den Hund, welche Form der Konditionierung ihm lieber ist und schauen es nicht nur aus unserer Warte an. Seine Körpersprache und sein Verhalten wird es uns sagen. 

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© 2020 – Teamschule – Monika Oberli

 

Ein Gedanke zu “Korrekturen sind doch keine Strafen!

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