Er tut doch nichts

…und dafür soll ich ihn belohnen?

Ja, genau dafür.

Denn „Nichts zu tun“ ist oft viel schwieriger als zu handeln.

Denken wir zum Beispiel an den Hund, der stehen bleibt, statt sich in die Leine zu werfen, wenn er einen anderen Hund sichtet.

Oder der Hund, der entspannt am Wegrand schnüffelt und nicht wie sonst einfach vorwärts strebt.

Und genau dies wahrzunehmen und zu verstärken, wird dir helfen, dass du mit deinem Hund entspannte Spaziergänge geniessen kannst.

Bestimmt findest du in eurem Alltag noch ganz viele solcher Momente, in denen dein Hund nichts tut

  • Er rennt nicht dem Ball der Nachbarkind nach
  • Er verbellt seinen Erzfeind nicht
  • Er rennt nicht an den Gartenzaun, um die Menschen zu vertreiben
  • Er jagt nicht der Katze hinterher

All dies ist sind grosse Herausforderung für deinen Hund und ist für ihn oft viel schwieriger als ein Alternativangebot von dir anzunehmen.

UND ER VERHÄLT SICH DOCH

Denn eigentlich macht er sehr viel:

  • Er widersteht dem Wunsch, den Ball zu fangen
  • Er verhält sich ruhig
  • Er bleibt liegen
  • Er bleibt stehen

Das gilt auch für den Hund, der bei der Begegnung mit einem anderen Hund nicht wie bis anhin ausrastet, sondern am Wegrand zu schnüffeln beginnt. In der Regel tut er dies nämlich nicht, weil er dort etwas Interessantes entdeckt hat, sondern um sich selbst aus der Konfrontation zu nehmen. Zudem wirkt Schnüffeln beruhigend. Und durch deine Belohnung verstärkst du dieses Verhalten zusätzlich.

Deshalb, wenn du diese „Nicht-Reaktion“ bei deinem Hund erlebst, zeige ihm, dass du sein Zurücknehmen wahrgenommen hast. Sei es durch ein Lob oder noch besser durch ein Marker und passender Belohnung.

ABER ICH MÖCHTE IHN DOCH NICHT UNTERBRECHEN

Hab auch keine Angst, ihn dadurch in seinem Verhalten zu stoppen. Denn selbst wenn dies passiert, du hast das Verhalten durch den Marker genau in dem Moment verstärkt, in dem er es gezeigt hat. Sobald er dieses erwünschte Verhalten zuverlässig zeigt, kannst du immer noch beginnen an der Dauer zu arbeiten.

Dein Marker und dein Lob sollten dabei möglichst ruhig und entspannt gegeben werden. Gerne kannst du dafür eigene Signale verwenden, die deinen Hund nicht in eine Erwartungshaltung versetzen. Denn solange er seine Aufmerksamkeit danach auf dich richtet, kannst du ihn gleich wieder dafür belohnen, dass er den Reiz nicht weiter beachtet.

Nimm sein Verhalten nicht als selbstverständlich. Denn dein Hund freut sich genauso über eine Anerkennung wie du, wenn er etwas gut macht.

AUF DEINEM SPAZIERGANG

Achte dich bei eurem nächsten Spaziergang doch mal auf Alles was dein Hund toll macht. Frag dich dabei, welche von diesen Verhalten du gerne öfters sehen möchtest. Nimm dann 1 oder 2 davon und beginne diese bewusst zu verstärke indem du sie belohnst. Wenn du magst, kannst du diese später auch benennen und bei Bedarf abfragen.


Ich gebe meinen Kunden dazu auch gerne die folgende Übung an die Hand:

Belohne in den ersten 3 Minuten eures Spazierganges mindestens 10 tolle Verhalten deines Hundes.
Um es den Teams leichter zu machen, üben wir dies erst einmal in der Stunde. Und schon bald merken sie, was ihnen ihr Hund eigentlich alles anbietet: sei es ein kurzer Blick zu ihnen, einen Moment lockere Leine, ein entspanntes Mitlaufen während er am Boden schnüffelt, ein kleiner Bogen wenn sie einen anderen Hund kreuzen…
Meist dauert es nicht lange bis der Hund die Aufmerksamkeit immer öfters bei seinem Menschen hat, da er so viel positiven Feedback bekommt.

Nun wünsche ich dir viel Spass beim Einfangen der guten Verhalten deines Hundes und du wirst sehen, das macht unheimlich Spass.

© 2021 Monika Oberli, Teamschule.ch

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