Merkmale eines hündischen Spiels

Spielen bedeutet, sich losgelöst von Alltag und Zeitdruck aus purer Freude mit sich selber oder mit Anderen zu beschäftigen.

Aber zum Spiel gehört noch sehr viel mehr. In diesem Artikel beschäftigen wir uns deshalb mit den Spielmerkmalen und den Voraussetzungen, damit ein Spiel gelingt.

TYPISCHE SPIELMERKMALE

Egal wie unterschiedlich die Hundetypen sind und wie verschieden ihre Spielweise, eines ist bei allen gleich. Und das sind die grundlegenden Spielmerkmale:

  • Im Spiel wirkt alles übertrieben und Ressourcen werden verschwendet
    Bewegungen, Mimik, Energie, Geräusche….
  • Im Spiel ist alles weich und kurvig
    Körperspannung, Blicke, Schwanz…..
  • Im Spiel sind eindeutige Spielsignale zu sehen
    Vorderkörpertiefstellung (Play Bow), Spielgesicht (siehe weiter unten)
  • Zum Spiel gehören neben aktiven Phasen auch immer wieder Pausen
  • Im Spiel finden in der Regel Rollenwechsel statt, mal ist einer der Jäger, mal der andere
  • Im Spiel findet sich Self-Handicapping – der Grössere oder Schnellere übernimmt die Rolle des Gejagten, der Stärke zeigt sich schwächer…
  • Im Jagdspiel richtet sich der Schnellere nach dem Langsameren.
    So bleibt das Spiel erhalten.
  • Im Spiel besteht eine hohe Beisshemmung und Frustrationstoleranz .  
  • Im Spiel kommen aber auch Stopp- und Drohsignale vor
    Immer dann, wenn einer übertreibt. Aber auch diese sind überbetont und sie sind auch gleich wieder vorbei

SPIEL GELINGT NUR WENN ALLE SPIELEN

Damit ein Spiel gelingt, muss es bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Sind diese nicht gegeben oder auch nur von einem Hund nicht erfüllt, fehlt der spielerische Charakter. Dann ist es besser, die Hunde nett zu trennen und ihnen eine ruhige Alternativbeschäftigung anzubieten.

1. Spiel braucht ein sicheres und entspanntes Umfeld
Nur wenn sich ein Hund sicher und wohl fühlt und seine Grundbedürfnisse erfüllt sind, mag er auch spielen.
Das ist ja auch bei uns nicht anders wenn wir uns uns gestresst fühlen oder Angst vor möglichen Gefahren haben.

2. Spiel braucht klare Regeln und Vereinbarungen
Jedes Spiel ist einzigartig. Und so muss bei jeder neuen Spielpaarung erst einmal ausgetestet werden, ob sich das Gegenüber auch an Regeln hält, die eine Ernsthaftigkeit verhindern und ein Stopp akzeptiert.
Unter bekannten Hunden können die Regeln auch mal lockerer genommen oder eine ungeschickte Aktion eher toleriert werden.

3. Spiel braucht Vertrauen
Je vertrauter sich die Spielpartner sind und je ähnlicher die Spielweise, desto harmonischer ist das Spiel.
Aber auch zwischen fremden Spielpartnern kann sich ein schönes Spiel entwickeln. Das gelingt aber nur, wenn beide Spielpartner die Grenzen und die Spielweise des anderen verstehen und akzeptieren.

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4. Spiel um des Spielens willen 
Echtes Spiel zeichnet sich dadurch aus, dass alle Spielbeteiligten frei interagieren und keiner der Beteiligten einen bestimmten Zweck verfolgt. In diesem Sinne sind auch Such-, Erziehungs- und Denkspiele keine Spiele, selbst wenn sie spielerisch aufgebaut sind.

5. Spiel ist ein Angebot und kein Muss
Der Angespielte hat das Recht JA oder NEIN zu sagen oder aber eine andere Spielvariante vorzuschlagen.

6. Spiel ist immer gegenseitig
Deshalb ist das unablässige Anspringen und Anrempeln eines anderen Hundes auch kein Spiel. Selbst wenn dieser Hund damit den anderen zum Spielen animieren möchte. Aber auch wenn ein Hund einen anderen anderweitig bedrängt oder verfolgt, handelt es sich um kein Spiel.

7. Spiel akzeptiert ein NEIN
Signalisiert ein Hund, dass er nicht spielen möchte, wird aber vom anderen Hund weiterhin „angespielt“, muss er irgendwie darauf reagieren. Entweder, indem er wirklich mitspielt oder aber, dass er ein Verhalten aus den 4F nutzt (Flucht, Abwehr, Einfrieren oder Flirt). Wobei letzteres viel öfters der Fall ist.

9. Spiel nimmt Rücksicht und kennt keine Hierarchien
In einem Spiel sind Alle gleichberechtigt. Deshalb zeigt sich auch der Stärkere schwächer, der Ältere lässt dem Jüngeren mehr Freiheiten und der Selbstbewusstere nimmt sich zurück. Denn nur wenn beide gleichberechtigt interagieren, fühlen sich alle wohl. Dieses Verhalten ist als „Selfhandicapping“ bekannt.

10. NICHT jeder Hund will und muss spielen
Jeder Hund hat das Recht, nicht mit anderen Hunden spielen zu wollen.
Und selbst Hunde, die als Junghunde gerne gespielt haben, tun dies als Erwachsene immer seltener und dann meist nur mit ausgewählten oder bekannten Hunden.

11. NICHT alles, was nach Spiel aussieht, ist auch Spiel
Mehrere Hunde rennen gemeinsam über die Wiese und jeder denkt: „Die haben Spass“. Aber stimmt dies wirklich? Schau genau hin!

SPIEL IST ABER NOCH VIEL MEHR

Dies ist aber noch nicht alles, was es rund ums Spiel zu wissen gibt. Deshalb geht es hier gleich weiter:

  • Alles rund ums Spiel
  • Das Spielgesicht
  • Die Vorderkörpertiefstellung
  • Signale, dass ein Spiel zu kippen beginnt
  • Spieltypen und -arten
  • Mobbing unter Hunden

Hier geht’s zur Übersicht mit allen Artikeln

© 2020 –  Teamschule – Monika Oberli
info(at)teamschule.ch

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