Interpretierst du noch oder beschreibst du schon?

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Interpretationen sind immer persönlich gefärbt, basierend auf den eigenen Erfahrungen, Gefühlen, Wertvorstellungen und Meinungen.

Wenn ich interpretiere, sage ich, was für MICH die wahrscheinlichste und plausibelste Deutung eines Geschehens ist. Und so beinhaltet eine Interpretation auch immer meine eigenen Gefühle der Situation gegenüber und welche Erfahrungen ich damit schon gemacht habe. Unsere eigene Wahrnehmung kann dem Gegenüber aber auch Gefühle und Absichten unterstellen, die so nicht stimmen.

Das ist auch mit ein Grund, weshalb Interpretationen bei einem anderen Betrachter oftmals auf Widerstand stossen. Denn der Andere betrachtet das Bild durch seine eigene Brille an Erfahrungen und Emotionen.

Beschreibst du hingegen ohne zu werten was du mit deinen Sinnen „Sehen, Hören, Fühlen, Riechen und Schmecken“ wahrnimmst, so kann ein anderer Betrachter diese Beschreibung nehmen, sie mit seiner vergleichen und ergänzen beziehungsweise seine eigene Wahrnehmung mit dir teilen.  

Erklärst du dazu noch bildlich oder mit Analogien was du siehst, wird es für dein Gegenüber noch einfacher, dich zu verstehen: die Augen wirken mandelförmig, die Rutenhaltung erinnert an einen Kringel …

BESCHREIBEN – MANCHMAL GAR NICHT SO EINFACH
Stell dir vor, du müsstest dieses Bild deiner Kollegin am Telefon beschreiben, die es selbst nicht sieht, aber nachzeichnen soll.

Das ist gar nicht so leicht wie es auf den ersten Blick aussieht. Denn wenn es auch nur wenige Striche und Punkte sind, so musst du doch jedes noch so kleine Detail erwähnen. Hierzu ein lustiges Video in welchem ein Vater seine Kids darum bittet eine Anleitung zu erstellen, mit der er ein Erdnuss-Marmelade-Brot zubereiten kann. 

Beim Betrachten eines Bildes, welches ihr gemeinsam anschaut, musst du gottseidank nicht ganz so ins Detail gehen. Aber es bleibt immer noch genug zum Beschreiben, selbst wenn nur 1 Hund auf dem Foto zu sehen ist.

Auch bei einem Video kannst du dich auf die wichtigsten Szenen beschränken. Aber hier ist die Beschreibung schon deutlich aufwändiger, musst du doch manche Sequenz zig-fach vor und zurück anschauen und dich dabei jeweils auf ein Körpermerkmal (Ohren, Schwanz, Maul, Augen…) konzentrieren. Und am Ende gilt es all das noch einmal in seiner Gesamtheit zu überprüfen.

Deshalb: Mach es dir einfacher und beginne das Beschreiben von Bildern auf dem erst nur ein Hund zu sehen ist und später zwei oder mehr Hunde bevor du dich an Video wagst. 

VOR INTERPRETATIONEN IST KEINER GEFEIHT
Selbst wenn wir noch so sehr darauf achten, uns nicht von unseren Gefühlen leiten zu lassen, werden wir dies nie ganz verhindern. So werden wir zum Beispiel Dinge schneller wahrnehmen, die unseren Erwartungen entsprechen und müssen erst lernen, auch auf Anderes zu achten. 

Aber auch wenn es uns nicht gelingt, ein Verhalten wirklich 100% wertneutral zu beschreiben so reicht doch das Wissen darum, dass wir offen für andere Ansichten und Hinweise bleiben sowie auch mal die Perspektive wechseln können.

Interpretationen sind aber nicht nur schlecht. Denn nur wenn wir Gesehenes schnell einordnen ohne uns um die Details zu kümmern, können wir bei Gefahr schnell reagieren. Beim Verstehen unserer Hunde kann dies jedoch leicht in eine Sackgasse führen und uns blind für das tatsächliche Geschehen machen.

Deshalb stell dir immer wieder die Frage: Interpretiere ich gerade oder beschreibe ich tatsächlich?

INTERPRETATION ODER BESCHREIBUNG

stressSagst du zum Beispiel dieser Hund ist glücklich, dann interpretierst du dies aufgrund deiner Vorerfahrungen und deines Bildes eines glücklichen Hundes.  

Beschreibst du hingegen die mandelförmigen Augen, die Falten in den Maulwinkeln, die angespannte Zunge und die Augenringe so ist dies erst einmal eine objektive, wertfreie Betrachtung. Und du hast damit gleichzeitig viele Signale gesehen, die ein gestresster Hund zeigt – ohne aber den Grund dafür zu kennen. 

Oder du sagst, der andere Hund sei aggressiv, weil er deinen weggeknurrt hat, während der andere Besitzer sagt, deiner war frech. Wer hat nun mit seiner Interpretation recht?

Du siehst, ohne Beschreiben der Signale, ist es ganz oft ein reines Ratespiel und Meinung steht gegen Meinung. 

ABER AUCH EINE BESCHREIBUNG VERRÄT DIR NICHT ALLES
Denn selbst wenn du noch so genau beschreibst, wirst du alleine aufgrund eines Bildes nicht immer genau wissen, was die Hunde tun und noch weniger weshalb. Denn oft braucht es auch noch das Wissen, in welcher Situation das Bild entstanden ist, wie vertraut sich die Hunde sind und was davor passiert ist bzw. wie es weitergegangen ist. 

Und oft kennen  wir ja selbst bei einem vertrauten Menschen nicht den Grund, weshalb er etwas tut. Wie viel schwieriger ist es dann bei unseren Hunden, deren Verhalten hündischen und nicht menschlichen Regeln gehorchen.

Aber je geübter du im Beschreiben all der kleinen Details auf Bildern bist, desto früher erkennst du auch die Signale deines eigenen Hundes, welche dir sagen, wie er gleich handeln könnte. So wirst du agieren können noch bevor dein oder der fremde Hund es tut.  Was auch deinen Alltag mit deinem Hunden deutlich leichter und entspannter machen wird.

© 2021 Monika Oberli, Teamschule.ch

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