Aggressionen

Aggression ist ein normaler und unverzichtbarer Teil des Sozialverhaltens.
Sie dient als Regulativ für das Zusammenleben von Gruppen oder Rudeln.
Dorit Feddersen-Petersen (2001)

Wenn wir die Verhalten unsere Hunde betrachten, dürfen auch auch diejenigen aus dem aggressiven -Repertoire nicht fehlen. Denn Aggressionen gehören zum angeborenen normalen Verhalten eines jeden Lebewesens, egal ob Hund, Katze, Maus oder Mensch ohne die kein Überleben möglich wäre.

Damit ist aber keine Charaktereigenschaft gemeint ist. Vielmehr ist es ein Verhalten, welches dem Hund als Problemlösung in einer subjektiv als gefährlich oder unangenehm eingestuften Situation dient.

Auch ist Aggression nicht gleich Aggression. Die Unterscheidung beginnt bereits bei der Art der Aggression aber auch ob sie offensiv oder defensiv gezeigt wird, das heisst als Angriff oder zur Verteidigung.

Und kein Hund, wird ohne Grund aggressiv handeln, sondern immer als Reaktion auf etwas.

DAS ALLES GEHÖRT DAZU

  • Imponieren – soll das Gegenüber einschüchtern
  • Drohen/Warnen – soll Ernstkämpfe vermeiden helfen
  • Angriff – soll Abwehren oder Beschädigen

IMPONIEREN

Das Imponierverhalten soll Stärke vermitteln und dadurch einen Rivalen ohne Kampf beeindrucken. Es wird aber auch gegenüber einer Hündin gezeigt, um sie für sich einzunehmen.

Beim Imponieren

  • macht sich der Hund möglichst gross
  • ist der Körper angespannt
  • sind die Beine durchgedrückt
  • zeigt der Hund häufig einen Imponiertrab
  • ist angehoben und leicht pendelnd
  • zeigen die Ohren nach vorn
  • ist der Blick ist nicht fixierend
  • werden keine Zähne gezeigt

DIE DOHSIGNALE

Die Drohgebärden dienen der Gefahrenabwehr und Distanzwahrung. Zu diesen Signalen gehören u.a.

  • Anspannen
  • Knurren / Bellen
  • Fixieren
  • Nase runzeln
  • Zähne zeigen
  • Langsame Bewegungen, steifer Gang und Körper
  • Schnappen / Abschnappen
  • Scheinangriffe

DER ANGRIFF

Erst, wenn weder Beschwichtigungs- noch Drohsignale fruchten, wird der Hund je nach Typ zum Angriff oder eines der anderen Konfliktverhalten aus den 4F übergehen.

Deshalb achte auf die Signale deines Hundes in Begegnungssituationen und dass er in einem Konflikt nicht immer höher auf der Eskalationsleiter steigen muss.

WOZU IST AGGRESSIVES VERHALTEN GUT

Aggressionsverhalten schützt Ressourcen aber auch die eigene Unversehrtheit. Deshalb findet man sie auch in den folgenden Bereichen:

  • Ressourcenverteidigung
    • Sozialpartner, Jungtiere
    • Futter, Spiel
    • Territorium
  • Durchsetzung eines Zieles
  • Distanzvergrösserung
  • Selbstschutz
    • Bei einem Angriff
    • Gegen Manipulationen (durch Besitzer, TA…)

AGGRESSION HAT IMMER EINEN GRUND

  • Innere Faktoren – Hormone, Schmerzen, Durst…
  • Äussere Faktoren – Hunde, Reize, Hitze… 
  • Emotionen – Angst, Ärger, Frustration, Unwohlsein…
  • Verteidigung – etwas, das dem Hund wichtig ist
  • Erlerntes Verhalten – Angriff ist die beste Verteidigung
  • Eigenschutz – Knurren, Abschnappen

Nur wenn die Ursache behoben wird, kann sich auch Verhalten ändern

FAKTOREN FÜR DIE STÄRKE DER AGGRESSION

Die Heftigkeit mit der ein Lebewesen reagiert ist einerseits abhängig von den Vor- und Lernerfahrungen. Aber auch von

  • der Art des Reizes sowie dessen Dauer und Intensität
  • dem Wer oder Was es zu verteidigen gilt
  • der Häufigkeit in der Hund auf aggressives Verhalten zurückgreifen muss
  • der Gestimmtheit und dem Stresslevel des Hundes
  • dem Erregungslevel und wie viel Impulskontrolle der Hund heute schon verbraucht

FAKTOREN, DIE AGGRESSIVES VERHALTEN WAHRSCHEINLICHER MACHEN

  • Viele schlechte Erlebnisse (insbesondere in jungen Jahren)
  • Schlechte Vorbilder
  • Viele Erfolgserlebnisse
    • Der „Mobber“ der öfters gewinnt
    • Gewonnene Auseinandersetzungen
  • Schlechte Lebensumstände
    • Aufzucht- und Haltungsbedingungen
    • Aversive Ausbildungsmethoden

Sehr oft kennt der Hund aber auch keine anderen Bewältigungsstrategien.

Deshalb achte darauf, dass dein Hund

  • viele gute Lernerfahrungen machen darf
  • gute Problemlösungsstrategien für Konfliktsituationen lernen darf
  • genügend Ruhepausen und Entspannung hat

Mit diesen Aktionen versucht der Hund alles, um einen Beschädigungskampf zu vermeiden.

AGGRESSIVES VERHALTEN ALS PROBLEMVERHALTEN

Aggressives Verhalten wird dann zum Problemverhalten, wenn es immer wieder übertrieben oder nicht passend zur Situation gezeigt wird.

BEUTEFANGVERHALTEN GEHÖRT NICHT DAZU

Beutefangverhalten ist kein Aggressionsverhalten, denn dabei findet weder Kommunikation statt noch soll die Beute vertrieben werden. 

Gerade im Hinblick auf Hundebisse ist diese Unterscheidung eminent wichtig. Denn abhängig davon ob der Hund aus dem Aggressionsbereich oder aus fehlgeleitetem Beutefangverhalten heraus agiert, muss auch der Trainingsansatz gewählt werden.


© 2013/2021 – Teamschule – Monika Oberli

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