Stell dir vor…

Belohnungen und Strafen erfüllen den gleichen Zweck – sie verändern ein Verhalten. Aber die Gefühle, die dabei beim Betroffenen entstehen können nicht unterschiedlich sein

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Stell dir vor, Jemand verspricht dir, dass er dir jedes Mal 5 Euro schenkt, wenn er dich anruft und du abnimmst. Wäre das nicht toll? Und weil du das Geld gut gebrauchen kannst, versuchst du, keinen seiner Anrufe zu verpassen und lässt alles liegen und stehen, wenn sein Klingelton ertönt.

Doch eines Tages, dein Konto ist schon gut gefüllt, und du bist gerade mit etwas ganz Wichtigem beschäftigt: Wie entscheidest du dich? Vielleicht sagst du dir „ach, das eine Telefon kann ich auch mal klingeln lassen, die 5 Franken gibt es ja das nächste Mal auch wieder.“

Was aber passiert, wenn dir der Anrufer gesagt, hat, dass es bei Anruf manchmal auch 100 Euro geben kann? Die Chance auf diese Jackpots willst du dir vermutlich nicht entgehen lassen. Und so wirst du auch in spannenden Momenten den Anruf entgegen nehmen. Aber solltest du es doch mal verpassen, dann ist dies schade, aber nicht wirklich schlimm. Denn du weisst ja, du verlierst höchstens diesen einen Jackpot.

Was aber, wenn dir der Anrufer sagt, dass der Geldsegen augenblicklich aufhört, sobald du auch nur einen einzigen Anruf verpasst? Oder noch schlimmer, dass dich eine Strafe erwartet, sollte sein Anruf ins Leere laufen.

Da wirst du wahrscheinlich alles machen, damit dies nicht passiert. Und bei allem was du tust, werden sich deine Gedanken immer mit dem Telefon beschäftigen und du wirst aufpassen, dass du immer in der Nähe deines Telefons bleibst.

Aber trotzdem lebst du immer in der Angst, doch irgendwann einen Anruf zu überhören. Das belastet dein Leben und du verlierst den ganzen Spass an allen anderen Dingen.

WESHALB ERZÄHLE ICH DIR DIESE GESCHICHTE?

Stell dir das gleiche Beispiel anhand deines Rückrufsignals vor.

Da dir dieser sehr wichtig ist, belohnst du deinen Hund bei jedem Rückruf mit einem tollen Leckerchen. Und so kommt dein Hund auf dein Signal immer gerne zu dir.

Aber irgendwann merkst du, dass die anfängliche Freude nachlässt. Dein Hund kommt immer langsamer zurück und bei ganz spannenden Dingen kann es sein, dass du ihn mehrmals rufen musst. Die Motivation aufgrund der immer gleichen Belohnung hat sich abgeschwächt (und nein, ein Hund muss deinem Signal nicht einfach gehorchen, nur weil du es willst)

Verwendest du hingegen unterschiedliche Belohnungen, die zudem noch dem augenblicklichen Bedürfnis deines Hundes entsprechen, wird er in der Regel auch gerne zurückkommen, wenn gerade anderes spannend ist. Erst recht, wenn es zwischendurch immer mal wieder einen Jackpot gibt.

Selbstverständlich kannst du ihn auch die negativen Folgen für sein Nicht-Kommen spüren lassen (wie bei obigem Telefonbeispiel): Du holst ihn ab und er muss für den Rest des Spazis an der kurzen Leine bleiben, oder aber, du rufst ihn immer lauter und gehst gar drohend auf ihn zu….

Natürlich ist die Chance gross, dass er nun darauf bedacht ist, ja keinen Rückruf zu verpassen um so den negativen Konsequenzen zu entgehen. Das löst aber auch die gleichen negativen Gefühle wie in obigen Beispiel aus. Gleichzeitig vergiftet es dein Rückrufsignal und beeinflusst eure Beziehung unschön.

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Deshalb, trainiere mit den richtigen, positiven Verstärkern und du brauchst keine strafenden Massnahmen.

Ist das Training noch nicht so weit fortgeschritten, verhindern Management-Massnahmen, wie zum Beispiel die Schleppleine, dass er Falsches lernt,

© 2019 –  Teamschule – Monika Oberli

2 Gedanken zu “Stell dir vor…

  1. Was für eine erschreckender Unsinn! Wie kann man als „Trainer“ allen ernstes die Aussage treffen, dass es völlig okay ist wenn der Hund nicht auf den Rückruf hört, nur wenn er lieber Jagen gehen will. Hauptsache es hat keine unangenehmen Konsequenzen für ihn wenn er auf ein Signal nicht reagiert?!

    Den Hund ein Leben lang an der Schleppleine zu führen als vermeintliche „Managementmassnahme“ nur weil man als Mensch keine Lust hat, einen Hund auch mal artgerecht Grenzen zu setzen, ist wahrlich kein würdiges Hundeleben.

    Menschen müssen Verantwortung übernehmen, wenn sie Hunde adoptieren. Und dazu gehört nun mal Führung mit all ihren schönen und weniger schönen Seiten.

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    • Man kann natürlich auch Sachen hinein interpretieren, die hier so nicht stehen. Denn weder habe ich geschrieben, dass es egal ist, wenn der Hund nicht kommt, noch dass Management-Massnahmen Training ersetzen. Denn das ist, wie wir wissen, nicht der Sinn von Management-Massnahmen. Deshalb bitte nicht zwischen den Zeilen Dinge lesen, die hier weder stehen noch so gedacht sind.

      Und zur Leine: es wird immer Hunde geben, die nicht immer und überall freilaufen können. Dann ist die Schleppleine ein tolles Hilfsmittel. Und ja, ich habe Hunde gesehen, die frei laufen konnten, wo andere an der Schleppleine blieben. Aber ich habe auch gesehen, dass die Hunde an der Schleppleine freier waren als die Hunde, die über „artgerechten Grenzsetzung“ gelernt hatten, bei ihren Menschen zu bleiben.

      Und ja, wer einen Hund aufnimmt, muss auch die Verantwortung für seinen Hund und sein Wohlbefinden übernehmen. Auch das steht hier nirgends, das dem nicht so ist.

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