Angst, Furcht und Panik

Angst schränkt nicht nur die aktuelle Lebensqualität ein, sie beeinflusst auch die Grundeinstellung eines Lebewesens.

angstLeider hört man auch heute noch den Ratschlag, seinen Hund bei Angst nicht zu trösten. Oder noch schlimmer, den Hund zu ignorieren und sich selbst zu überlassen, damit seine Angst nicht grösser wird.

Dabei ist genau das Gegenteil richtig:

Angst wird durch Isolation und Nicht-Beachtung verstärkt und durch soziale Nähe abgebaut oder zumindest gelindert.

Durch die Nicht-Beachtung verliert dein Hund nämlich auch noch seine letzte Sicherheit. Dabei bräuchte er dich in seiner Angst noch dringender als sonst.

BLEIB SELBST RUHIG

Wenn du versuchst deinen Hund mit (zu) vielen gut gemeinten Worten und hektischem Streicheln zu trösten, würde ihn dies verunsichern. Denn er versteht ja nicht, weshalb du dies tust, sondern merkt nur, dass du ebenfalls aufgeregt bist. 

Deshalb atme erst einmal ruhig durch und biete ihm ganz entspannt deine Nähe an. Wenn möglich, verlass mit deinem Hund die Situation (selbst wenn du ihn dazu tragen musst). In seiner Angst kann hier der Hund eh nichts mehr lernen. 

ANGST IST NICHT GLEICH ANGST

Denn Angst ist ein Überbegriff und umfasst

  • Unsicherheit – der Hund ist verunsichert, hat aber noch keine Angst
    Unsicherheit kann auf etwas Konkretes bezogen sein, dann spricht man von einer gerichteten Unsicherheit. Sie kann aber auch diffus und ohne bestimmten Auslöser aufkommen und somit ungerichtet sein.
    .  
  • Angst – der Hund befürchtet, dass gleich etwas passieren könnte, ohne zu wissen weshalb
    Das heisst, der Hund hat keinen konkreten Grund für seine Angst. Aber er rechnet trotzdem jederzeit damit, dass etwas Schlimmes geschieht. Langfristig schränkt dies nicht nur seine Lebensqualität ein, sie lähmt ihn auch in seinem Handeln.
    Wird seine Angst nicht behandelt, kann sie sich  zur Panik auswachsen.
    ..   
  • Furcht – der Hund fürchtet sich vor einem konkreten Auslöser
    Furcht bezieht sich immer auf eine tatsächlich anwesende Gefahr (wie Hunde, Menschen, Gegenstände, Gerüche, …).
    Der Hund ist aber meist noch in der Lage zu handeln, indem er entweder flieht oder angreift. Ist der Auslöser verschwunden, verschwindet auch die Furcht. Tritt das Ereignis vor dem sich der Hund fürchtet, kann sich die Furcht zu einer Phobie entwickeln.

ANGST DIENT DEM ÜBERLEBEN

Angst ist eine Emotion, die ebenso zu uns und unseren Hunden gehört wie Freude, Wut und Trauer.

Angst bewahrt uns vor Gefahren und setzt den Körper in Alarmbereitschaft, so dass wir in gefährlichen Situationen schnell und ohne Nachzudenken handeln können. Sie dient uns somit als Warnung und zur Erinnerung an potentiell gefährliche Situationen.

Dieser Gefühlszustand wird vom Körper in Sekundenbruchteilen ausgelöst, sobald er Hinweise auf eine Bedrohung erkennt. Weder Angst noch Furcht sind somit willentlich steuerbar! Es spielt auch keine Rolle, ob es sich um eine echte oder eingebildete Bedrohung handelt – die körperliche Reaktion ist die gleiche.

Sind diese Reaktionen jedoch übertrieben oder treten sie völlig grundlos auf, so sind sie keine Hilfe mehr. Im Gegenteil, sie lähmen und machen langfristig krank.

EINMAL ERLEBTE ÄNGSTE WERDEN NICHT VERGESSEN


Ist eine richtige Angst erst einmal da, bleibt sie im Gedächtnis haften, selbst wenn es lange keinen Grund mehr dafür gab. Deshalb reicht bei einem vorbelasteten Hund manchmal schon ein kleiner Auslöser, um ihn wieder in Angst zu versetzen. Und bei älteren Hunden können diese Ängste auch ganz ohne Anlass wieder zurückkehren.

Deshalb unterstütze deinen Hund und hilf ihm bereits bei ersten Unsicherheiten, damit seine Angst keine Kreise zieht. Je früher du damit beginnst, desto weniger wird sie sich festsetzen und desto schneller werden sich Fortschritte im Training zeigen. Und hab keine Angst, dass du durch Lob und Nähe die Angst deines Hundes verstärkst. Dies wurde nämlich längst wissenschaftlich widerlegt.

Denn genauso wenig wie sich deine Angst vor Spinnen verstärkt, wenn dich Jemand in den Arm nimmt, passiert dies bei deinem Hund wenn du ihm nahe bist. Und wenn du bei jeder Spinnen nun noch jedes Mal ein Eis bekommst, verlierst du die Angst davor vielleicht ganz. Denn schliesslich bedeutet ihr Auftauchen nun immer etwas Gutes.

DU VERSCHLIMMERST DIE ANGST

Trotzdem ist es natürlich möglich, seine Angst zu verschlimmern, wenn du

  • selbst unsicher wirst oder beim Anblick des Auslösers stark erschrickst
  • dich ganz anders als sonst üblich verhältst
  • übertrieben und mit grosser Hektik auf seine Ängste eingehst
  • deinen Hund mit vielen Worten und/oder hektischem Streicheln zu beruhigen versuchst
  • deinen Hund mit zu hohen Anforderungen überforderst
  • ihn in diesen Situationen alleine lässt oder ihn gar wegschickst
  • ihn für das aus deiner Sicht unerwünschte Verhalten bestrafst

STRAFEN BEI UNERWÜNSCHTEM VERHALTEN

Strafen, und erst recht positive Strafen haben im Zusammenleben mit unseren Hunden keinen Platz. Und dies gilt im so mehr bei Verhalten, die auf Angst beruhen.

Denn Angst ist eine Emotion, welche nicht willentlich gesteuert wird. Und so kann auch Verhalten, welches aus dieser Angst herauskommt nicht bewusst gestoppt werden. Auch kann der Hund in seiner Angst nichts lernen und sie könnte sich durch Strafe erst noch verschlimmern.

Und sollte es dir tatsächlich gelingen, das Verhalten durch Strafe zu unterbinden, so bleibt die Emotion bestehen und wird sich irgendwann an anderer Stelle Platz verschaffen.

IGNORIEREN VON ANGST

Erschrickt sich ein Hund nur kurz und geht dann wieder seiner vorherigen Tätigkeit nach, kann dieses Erschrecken durchaus erst mal ignoriert werden. Manchmal blickt der Hund aber auch kurz zu seinem Besitzer, entspannt aber gleich wieder wenn er sieht, dass dieser ruhig und gelassen bleibt oder wenn ihm dieser mittels Entspannungswort signalisiert, dass alles in Ordnung ist.

Sollte der Hund dabei aber trotzdem kleinste Signale von Unsicherheit zeigen, dann hilf ihm.

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Weiterführende Artikel

© 2013 (überarbeitet 2021) – Teamschule – Monika Oberli

Ein Gedanke zu “Angst, Furcht und Panik

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